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Gedächtnistraining

Wie merke ich mir, was ich mir merken will?

Passiert Ihnen das auch immer wieder, dass Sie eine Information aus Ihrer Erinnerung abrufen wollen, und...es findet sich nichts im Gedächtnis? Sie wissen zwar, dass da mal etwas war, aber wie in einem unaufgeräumten Zimmer lässt sich der gesuchte Artikel einfach nicht auffinden? Ihre Augen gleiten mit suchendem Blick im Supermarkt über die Regale, nicht weil Sie auf der Suche nach etwas Bestimmten sind, sondern nur weil sie doch wissen: da war doch noch etwas, was ich kaufen wollte? Wenn Ihnen derlei Dinge häufig Kummer bereiten, muss es nicht gleich eine schwerwiegende Gehirnerkrankung sein, die Sie heimsucht: Vielleicht fehlt Ihnen einfach der richtige Umgang, die richtige Übung mit Ihrer Erinnerung.

Der richtige Umgang mit dem Nervenzellhaufen in unserem Kopf ist ebenso nötig wie ein wenig Übung im "Einprogrammieren" von Informationen. "Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer" untertitelt gewitzt die Leiterin des Instituts für gehirn-gerechtes Arbeiten, Vera F. Birkenbihl, eines ihrer Standardwerke gegen den Gedächtnisverlust. Sie versucht, wie viele andere Autoren von "Gebrauchsanleitungen für das menschliche Gehirn", dem Leser die geschickte Einknüpfung von Informationen in ihr Gedächtnisnetz schmackhaft zu machen und ihm nahezubringen, dass er selbst Hauptverantwortlicher ist für die Qualität seines Erinnerungsvermögens.

Input - Output

Was ist es denn nun für ein Phänomen, weshalb so viele Dinge tagtäglich aus unserem Gedächtnis (oftmals spurlos) verschwinden? Einerseits handelt es sich um einen ganz normalen Vorgang, denn über die Stationen "Ultrakurzzeitgedächtnis" - "Kurzzeitgedächtnis" laufen nicht alle Informationen bis in das "Langzeitgedächtnis", ein großer Teil wird unterwegs aussortiert. Und das nicht zu unrecht, denn tatsächlich ist ein Großteil der uns tagtäglich begegnenden Informationen nicht für die Ewigkeit bestimmt (benötigt). Somit ermöglicht uns Menschen das "Filtrieren" von Sinneseindrücken und Informationen, die unwichtigen Dinge durch das Sieb hindurchrauschen zu lassen, während die Wichtigen im Informationsnetz hängenbleiben (sollen).

Wie funktionieren unsere "grauen Zellen"?

Haben Sie das Gefühl, oftmals machtlos danebenzustehen, während eine wichtige Information durch Ihre Siebe hindurch in die ewigen Jagdgründe der Erinnerungslosigkeit verschwindet, obwohl Sie sie doch behalten wollten? Um dies zu vermeiden, muss man sich ein bißchen mit der Funktionsweise des Gehirnes vertraut machen und sich eine neue Art des "Abspeicherns" angewöhnen.

Sie beschweren sich also (bei ihrem Gehirn) über das schlechte Erinnerungsvermögen? Wenn Sie ihr Gehirn dazu sprechen lassen würden, würde dieses sich wahrscheinlich darüber beschweren, dass sie ihm die Informationen falsch verpackt servieren! "Bedienungsfehler" wäre die Fehlermeldung, die meistens beim Einprogrammieren von Daten in den "Neck-Top" erscheinen würde. Und hiermit sind wir beim zentralen Problem der Menschen, die sich über ihr schlechtes Gedächtnis beklagen: Statt sich über das schlechte "Abrufen" von Informationen aus ihrem Kopfe zu beschweren, sollten Sie vielmehr über das schlechte "Einspeichern" ihrer Information wettern. Denn die Qualität des Einspeicherns bestimmt die Leichtigkeit des Abrufens. Und um genau diese Einspeicherqualität zu fördern und zu verbessern, geben viele Bücher Tips und Hinweise.


Kleiner Test gefällig?

Nehmen Sie sich zehn Begriffe vor und versuchen Sie, sich diese innerhalb einer Minute einzuprägen. Gehen Sie dann fünf bis zehn Minuten ihrer normalen Beschäftigung nach und versuchen Sie anschließend, die Liste vollständig aufzuschreiben. Hier die Liste:

  • Diskettenlaufwerk
  • Tannenzapfen
  • Türzarge
  • Wackelpudding
  • Polaroidfoto
  • Klebestift
  • Namensschild
  • Sekundenzeiger
  • Tischbein
  • Katzenkratzbaum

Und, hat es geklappt? Im Zweifelsfall recht gut, denn schließlich waren Sie auch hochmotiviert und haben sich richtig Mühe gegeben. Was man im Alltag oftmals nicht tut. Und was hätte nun ein Gedächtniskünstler mit dieser Liste anderes gemacht als Sie, dass er sie so viel besser (schneller, leichter) ins Gedächtnis einspeichern hätte können? Hier können verschiedene Wege zum Ziel führen. Beispielsweise hätte er, während er die Begriffe las, eine Geschichte um diese herum konstruieren können. Denn eine Geschichte merkt man sich wesentlich besser als nackte Begriffe. Zu anstrengend? Dann versuchen Sie doch mal, sich vorzustellen, wie Sie jeden einzelnen der genannten Gegenstände kaputtmachen. Am besten, Sie nehmen dabei jeweils den zuerst Gelernten und demolieren damit den nächsten.

Kreativität hat keine Grenzen

Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Möchten Sie es auf die eine oder andere Art noch einmal probieren mit dem Listenlernen? Dann hier noch eine Liste:

  • Nagellack
  • Kaffeetasse
  • Flachbildschirm
  • Fenstergriff
  • Korkenzieher
  • Käsereibe
  • Pappschachtel
  • Kugelschreiber
  • Glasauge
  • Telefonhörer

Das Prinzip der "Gedächtnis-Kunst" - die nichts anderes als korrekte Gehirn-Anwendung ist - besteht darin, dass neben der aufmerksamen Beschäftigung mit dem zu "Lernenden" der Lernstoff in das Gedächtnis "eingeknüpft" wird. Handelt es sich um solche Listen wie die obige, ist es wichtig, sie auch untereinander zu verknüpfen, damit ein Gegenstand der Liste zum nächsten führt, und man sie somit hintereinander "herunterrattern" kann. Und es ist wichtig, neben unserer meist gut ausgebildeten linken Gehirnhälfte, die für das logische, sprachliche Denken verantwortlich ist, auch unsere meist verkümmerte rechte Gehirnhälfte zu benutzen, die für bildhaftes Erkennen, für Gerüche, optische Eindrücke und die Phantasie zuständig ist. Hierdurch wird der Eindruck des zunächst nackten, abstrakten Begriffes verstärkt ins Gedächtnis eingespeichert. Sie haben den Tannenzapfen in der ersten Liste oben vergessen? Haben Sie nur das Wort "Tannenzapfen" fokussiert oder hatten sie ihn wirklich geistig vor Augen? Haben Sie gespürt, wie er in der Hand piekst? Haben sie den harzigen Geruch bemerkt? Das Rauschen im Walde gehört? Sich ans Zapfensammeln im Kindesalter erinnert? Dann hätten Sie ihn vielleicht nicht so leicht "geistig fallengelassen".

Zahlen und abstrakte Begriffe

All dies funktioniert noch recht einfach mit Begriffen, die konkrete Gegenstände beschreiben. Schwieriger ist es, wenn Begriffe für abstrakte Dinge, wie zum Beispiel das Wort "Gerechtigkeit" auftaucht. Und am Gipfel der abstrakten Begriffe stehen sicherlich die Zahlen. Sich Nummern zu merken fällt den meisten Menschen am schwersten. Doch auch hier kann die Anwendung der Phantasie Abhilfe schaffen: wenn man sich ein System von "Stellvertretern" ausdenkt, bei dem jede Zahl, beispielsweise zwischen eins und hundert, für einen Gegenstand steht, fällt es schlagartig leichter, die schwerverdaulichen Zahlenreihen ins Gedächtnis zu bannen. Die Bilder, die dabei den Zahlen zugeordnet werden, sollten möglichst naheliegend sein, um sie sich leichter zu merken: Für die sechs bietet sich beispielsweise ein Würfel an, für die acht eine Sanduhr, für die elf eine Fußballmannschaft. Hat man sich auf diese Weise ein "Hunderter"-System erdacht und verinnerlicht, lassen sich Zahlenabfolgen beliebig in Form von Bildern oder Gegenständen darstellen, aus denen dann wieder (wie bei den Listen) eine Geschichte oder Ähnliches geknüpft werden kann. Gedächtniskünstler können auf diese Weise Zahlen mit vielen hundert Stellen ohne großen Aufwand auswendig lernen.

Wenn Sie nun Geschmack gefunden haben am "Lernen des Lernens", dann können Sie sich mit eigener Kreativität oder mit Hilfe unserer Buchtipps mit ihrem Denkapparat auseinandersetzen und ihn trainieren - und das Trainieren können sie, das ist das praktische am Denksport, eigentlich überall machen - in der U-Bahn oder bei der Mittagspause, und bei der Arbeit sowieso.